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7. April 2016

Verlust der Freibeträge beim Berliner Testament / Keine Heilung durch aufschiebend bedingte Vermächtnisse

Setzen sich Eltern gegenseitig zu Erben ein und werden die Kinder erst Erben nach dem Tod des Letztversterbenden, so gehen die Freibeträge der Kinder nach dem Tod des Erstversterbenden mit je 400.000,00 EUR ungenutzt verloren. Die meisten Ehegattentestamente enthalten eine Strafklausel für den Fall, dass ein Kind nach dem Tod des Erstversterbenden seinen Pflichtteil verlangt. Diese Kinder werden dann auch beim zweiten Erbgang automatisch enterbt. Bei alten Textvorlagen fehlt grundsätzlich eine Öffnungsklausel, die es dem Längerlebenden ermöglicht, neu zu testieren.

Gerade bei größeren Immobilienvermögen oder bei 1-Kind-Ehen fällt dann Erbschaftsteuer in erheblichem Maße an. Angenommen die Eltern haben gemeinsam ein Vermögen von 1,1 Mio. EUR. Die Schlusserbin Susi muss dann 700.000,00 EUR mit 19 %  = 133.000,00 EUR versteuern. Wären beide Freibeträge voll genutzt worden, würde die Steuerbelastung mit 11 % auf 300.000,00 EUR nur 33.000,00 EUR betragen. Die Steuerersparnis liegt in diesem Fall bei 100.000,00 EUR!

Gestaltungsfehler:

Wird dem Kind vom Erstversterbenden im Testament ein Vermächtnis zugewandt, das jedoch erst nach dem Tod des Letztversterbenden zu erfüllen ist, so fällt der Freibetrag nach dem Erstversterbenden ebenfalls ungenutzt weg. Hier muss das Vermächtnis zu einem früheren Zeitpunkt fällig sein. Die Balance zwischen Versorgung des Längerlebenden und der Steuerersparnis für den Schlusserben ist eine anspruchsvolle Gestaltungsaufgabe.