« zurück zur Nachrichten-Übersicht

7. April 2016

Pflichtteilsansprüche der enterbten Enkelkinder

Der Witwer Josef Z. hat seine Tochter Sonja P. in seinem Testament zur Alleinerbin bestimmt. Die Enkelkinder Paula und Alexander Z., Kinder seines vorverstorbenen Sohnes Günther Z. sind im Testament nicht bedacht. Wegen des Stammesprinzips treten die Enkelkinder an die Stelle ihres vorverstorbenen Vaters.

Bewertung des Anspruchs:

Die Pflichtteilsquote beträgt 50 % der gesetzlichen Erbquote. Bei der gesetzlichen Erbquote hätte bei zwei Stämmen Sonja ½ geerbt und der vorverstorbene Günter ebenfalls ½. Sein Erbanspruch ist auf seine Kinder Alexander und Paula gleichmäßig zu verteilen, so dass diese Beiden eine Erbquote von ¼ hätten. Die Pflichtteilsquote eines jeden Enkels beträgt jeweils 50 % von ¼ = 1/8.

Auskunftsanspruch des Pflichtteilsberechtigten:

Die Aufforderung zur umfassenden Auskunftserteilung sowohl über den Bestand des Nachlasses als auch über den Umfang lebzeitiger Zuwendungen (Schenkungen und Ausstattungen) sollte wegen der erforderlichen Fristsetzung von einem Fachmann durchgeführt werden.

Informationsbeschaffung:

Der Pflichtteilsberechtigte bekommt keine Auskünfte von der Bank. Mit Hilfe eines erfahrenen Anwalts kann aber Kontrollmaterial aus öffentlichen Quellen gewonnen werden.

Pflichtteilsergänzungsanspruch:

Die Tochter Sonja hat vor mehr als vier Jahren vor dem Tod von Josef Z. von diesem einen fast neuen PKW zugewendet erhalten. Grundsätzlich werden innerhalb eines 10-Jahreszeitraumes Schenkungen in einem abgestuften Maß dem Nachlass hinzugerechnet und ergeben dann den Pflichtteilsergänzungsanspruch.

Ingangsetzung der 10-Jahresfrist:

Auch wenn mehr als 10 Jahre seit der Schenkung verstrichen sind, kann ein Pflichtteilsergänzungsanspruch noch gegeben sein. Es gibt zwei Ausnahmen, die sorgfältig von einem Fachanwalt geprüft werden müssen.