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7. April 2016

Das in Druckbuchstaben gefälschte Testament der Oma Elisabeth W.

Die 2006 verstorbene Oma Elisabeth W. hat nach dem beim Nachlassgericht eingereichten Testament ihren Ehemann Xaver W. zum Alleinerben eingesetzt. Der Enkel Vitus H., dessen Mutter vorverstorben war, erhielt damals vom diesem eine Testamentskopie mit der Möglichkeit, Einwendungen zu erheben.

Auffinden von alten Urlaubskarten und Geburtstagskarten:

Beim Aufräumen des Speichers 2016 hat Vitus alte Postkarten der Oma W. entdeckt. Diese stammen aus der Zeit vor und nach der Testamentserrichtung. Das Schriftbild ist steil zackig und ähnelt altdeutscher Schrift. Beim Vergleich mit der Testamentskopie aus dem Jahr 2006 stellt Vitus fest, dass dieses in lateinischen Druckbuchstaben mit runden Bögen geschrieben ist.

Testamentsanfechtung:

Vitus hat den begründeten Verdacht, dass das Testament seiner Oma gefälscht ist und möchte wissen, ob er dieses nach 10 Jahren noch anfechten kann. Er beauftragt daraufhin einen Fachanwalt für Erbrecht mit der Aufklärung.

1-jährige Anfechtungsfrist:

Zu beachten ist, dass für eine Anfechtung die sehr kurze Jahresfrist gilt. Diese beginnt zu laufen, sobald der Anfechtungsberechtigte Kenntnis vom Anfechtungsgrund erlangt hat.

Erbunwürdigkeit bei Testamentsfälschung:

Kann durch ein graphologisches Gutachten der Nachweis geführt werden, dass ein gesetzlicher Erbe die Tat begangen hat, so ist er erbunwürdig. Damit er aber auch seinen Erbteil verliert, muss die Erbunwürdigkeit in einem Urteil des Zivilgerichts ausgesprochen werden.

Neuer Erbschein und Rückabwicklung aller Rechtsgeschäfte:

Der somit unrichtige Erbschein wird von Amts wegen eingezogen. Ein neuer Erbschein wird aufgrund gesetzlicher Erbfolge erteilt. Der Erbunwürdige wird so behandelt, als hätte er zum Zeitpunkt des Erbfalls nicht gelebt.

Wegen der Urkundenfälschung hat er mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen.